Ich habe jetzt beim Lesen in einer Aquarienzeitschrift endlich den Unterschied in den Haltungsbedingungen von LPS (großpolypigen Steinkorallen) und SPS (kleinpolypigen Steinkorallen) herausgefunden .

SPS Korallen leben in Riffen nahe der Wasseroberfläche. Dort werden sie sehr intensiv von der Sonne beschienen (brauchen also sehr starke Beleuchtung), das Wasser ist extrem nährstoffarm ( benötigen deshalb absolut sauberes Wasser). Die SPS Korallen ernähren sich fast ausschließlich über ihre Zooxanthellen durch Nutzung des starken Sonnenlichtes und müssen deshalb nicht gefüttert werden. Der Wasserstand kann durch verschiedene Einflüsse im Riff sinken, so dass diese Korallen teilweise aus dem Wasser herausragen und die Polypen dadurch öfters absterben (sie  sind stark regenerationsfähig um zu überleben). Die Strömung oberhalb der Riffe ist oft sehr stark und wechselnd ( SPS Korallen benötigen im Aquarium sehr starke und wechselnde Strömung).

Pocillopora damicornis – Himbeerkoralle (im Hintergrund)

LPS Korallen ( großpolypige Steinkorallen) leben in tieferen Gewässern (benötigen aus diesem Grund nicht so extreme Beleuchtung). Dort ist die Strömung nicht so stark (mögen deshalb oft keine zu starke Strömung im Aquarium). Durch die Entfernung zum Sonnenlicht werden oft zusätzlich bzw. vollständig Nährstoffe aus dem Wasser aufgenommen und/oder  Plankton gefangen und gefressen (diese Tiere benötigen zum Überleben nicht so sauberes , nährstoffarmes Wasser). Das geht sogar soweit, dass manche Korallen als  „Schmutzwasserkorallen „ bezeichnet werden, viele Nährstoffe benötigen und in einem sauberen Aquarium unweigerlich zu Grunde gehen. Die LPS Korallen sind nicht so regenerationsfähig, weshalb bei einer Beschädigung die Korallen oft nicht mehr zu retten sind  und eingehen.

Goniopora lobata Margeritenkoralle_21.11.2017

Das ist ganz ohne Frage eine sehr vereinfachte  Gegenüberstellung der grundlegenden Bedingungen der SPS und LPS Korallen . Der Vergleich macht deutlich, warum eine Haltung beider Korallentypen in einem Aquarium oft nicht zum Erfolg führt. Die Bedürfnisse sind teilweise zu verschieden und man braucht sich nicht zu wundern, warum das eine oder andere Tier einfach nicht gedeiht, obwohl ein anderer Aquarianer die Haltung als einfach bezeichnet.

Die  sehr vereinfachte  Darstellung ist meiner Meinung erforderlich um ein grundlegendes Verständnis für manche Vorgänge zu bekommen. Ich finde diese Hinweise  sollten unbedingt beachtet werden,  bevor ein neues Tier angeschafft wird. Am Besten ist es immer zuerst nachzulesen und dann zu kaufen (gelingt mir auch nicht immer –  die Versuchung ist oft einfach zu groß ohne großes Nachdenken ein wunderschönes oder interessanres Tier unüberlegt mitzunehmen).

Ich habe mich mit diesem Thema beschäftigt, weil meine ersten Informationen zu Beginn meines Hobbys lauteten :

Man braucht immer sehr viel Licht, starke Strömung, unbedingt einen Abschäumer (habe ich bis heute nicht und werde ich mir auch nicht kaufen) und absolut sauberes Wasser. Bei mir gedeihen die Korallen, Krusten und co. auch  ohne große Technik sehr gut, weil …. ja weil ich fast nur LPS-Korallen, Krustenanemonen, Scheibenanemonen und Weichkorallen habe! Das soll nicht heißen das mein Aquarium  dreckig ist! Nein ganz bestimmt nicht. Aber diese Tiere haben eben grundlegend andere Lebensansprüche als SPS Korallen.

Unsinnig finde ich die Erscheinung in möglichst jedem Aquarium mit einem überdimensionierten Abschäumer super reines Wasser zu erzeugen, um dann im Anschluß daran flüssige Korallennahrung und Zusatzstoffe wieder ins Aquarium zu geben. Wer sich das wohl ausgedacht hat?

Um nicht falsch verstanden zu werden, es kommt darauf an, welche Ansprüche die gehaltenen Tiere stellen und welche Bedingungen mein Aquarium bietet. Ich habe keinen Eiweissabschäumer und ihn auch noch nicht vermißt. Das Bekenntnis mein Meerwasseraquarium ganz ohne Einweissabschäumer zu betreiben, führt oft zum Erstaunen und verständnislosem Kopfschütteln. Das kann doch nicht funktionieren!? Doch es kann ! Wenn die Zusammensetzung der Tiere im Aquarium so ausgewählt wird, dass diese einfachen Bedingungen ausreichen, um eine optimale Entwicklung der Korallen abzusichern und ein steter Reingungsprozess realisiert wird, funktioniert das ganze sehr gut.

Und hier mein 180 l Beckens in 2017 und 2018  :

180 l Becken 24.05.2017

Mein 180 l Aquarium

Ich wechsele jede Woche  ca.10 %  Wasser, putze fast täglich die Frontscheibe, habe eine absolut leise (aber echt häßliche) Pumpe mit Schwammfilter (Schwamm wird jede Woche ausgewaschen), eine Turbostream Pumpe pustet aus einer anderen Richtung und ein Oberflächenabsauger gegen Kahmhaut mit Filterwatte (Kahmhaut = Schicht auf der Wasseroberfläche). Der Oberflächenabsauger läuft nur nachts ein paar Stunden, da er sehr  laut brummt.Das ist bei mir  völlig ausreichend um die Kahmhaut abzusaugen. Sollte doch mal eine Verschlechterung auf der Wasseroberfläche zu sehen sein, schalte ich den Oberflächenabsauger für kurze Zeit manuell zu.

Streampumpe – Strömungspumpe

Beim Wasserwechsel setzte ich dem angerührten Meerwasser ein Wasseraufbereitungsmittel  zu, weil ich nur einfaches Leitungswasser verwende. Das Wasseraufbereitungsmittel soll evtl. vorhanden Schadstoffe aus dem Leitungswasser beseitigen und positive Auswirkungen auf die Wasserqualität haben.

Oberflächenabsauger entfernt die Kahmhaut

Sicher gibt es Ausnahmen  zu den dargelegten Sachverhalten. Jeder hat andere Bedingungen (Größe des Aquariums, technische Ausstattung ,Beleuchtungsdauer,Qualität des Leitungswassers, Häufigkeit des Wasserwechsels Zusammensetzung der Tiere,Art und Menge des Futters,Fütterungsgewohnheiten,Temperatur, Standort u.s.w.).

LED_Leuchtbalken_1m_17.03.2018

Es gibt kein Aquarium, das dem anderen gleicht. Diese Individualität gilt es optimal zu gestalten. Deshalb sind Ratschläge nur als Information anzusehen und als Quelle um mögliche Fehler zu erkennen und zu beseitigen. Man muß das Fahrrad nicht zwei mal erfinden und Fehler nicht unbedingt wiederholen.

Meine Erfahrung ist : die Übernahme von Informationen von einem Aquarium zum anderen 1:1 geht nicht !

Meine Ratschläge können deshalb nicht einfach auf Euer Aquarium übertragen werden, sollen euch jedoch zum Nachdenken anregen.

Einfach schrittweise ausprobieren was geht und welche Dinge nicht praktikabel sind. Ich bin mit meinem Aquarium sehr zufrieden. Laßt Euch nicht von manchen „Experten“ verunsichern (auch nicht von mir, bin aber abolut kein Experte). Tastet Euch schrittweise ans Optimum heran, bis der Zustand so ist, wie Ihr Euch das vorgestellt habt und es Euren Aquarientieren gefällt.

Ich wünsche allen viel Erfolg. Habt den Mut Euren Weg zu beschreiten. Mißerfolge gehören dazu; um so größer ist die Freude, wenn sich der Erfolg einstellt, es den Tieren gut geht und sie es mit Wachstum und Vermehrung danken.

Viel Erfolg  und vor allem viel Geduld

Eure Siglinde

PS. Ein kleiner Nachtrag. Letztens habe ich erst gelesen, …“wenn Ihr die Beleuchtung auf ein viel stärkeres System umstellt, seid vorsichtig und deckt das Licht für eine gewisse Zeit erst einmal etwas ab, damit die Korallen nicht durch die neue Intensität geschädigt werden…“